Das 
sportliche
Bergdorf

 

Der Verein

Der Wintersportort Sankt Englmar kann sich rühmen, dass schon um die Jahrhundertwende organisierte Ski-Abfahrtsrennen stattfanden. Man kann annehmen, dass Kooperator Hermann Plaß - heute ist eine Straße nach ihm benannt - als „Erster" mit Brettln über die Sankt Englmarer Fluren gleitete. Kooperator Hermann Plaß fand im Reichstagsabgeordneten Josef Echinger und Lehrer Beisel Anhänger und Förderer des neuen Wintervergnügens. 

Neben Skikursen startete man auch die ersten Abfahrtsrennen von dem damals fast baumlosen Predigtstuhl. Der „Große Piermeier" hatte die Aufsicht über die Buben am Startplatz. Die am Zielort beim Wieskramer aufgestellte Böllerkanone gab mit einem Schuss das gleichzeitige Startsignal. Für die Zuschauer beim Wieskramer ein imposantes Bild, wie alle Buben auf einmal den Preditstuhl herunter sausten. Was an jugendlichen Rennfahrern nicht in den Tücken der Lederbindungen oder in den zahlreichen Kronawittstauden hängen blieb, wurde dann mit Blasmusik zum Postwirt Echinger geleitet. Beim Postwirt wurde dann die Siegerehrung vorgenommen. 

Die von dieser Zeit vorhandenen Fotos, aufgenommen vom Fotografen Stettiner von Birkenberg bei Schwarzach, haben heute einen hohen historischen Wert und dürften einmalig im Bayerischen Walde sein. Spätere Aufzeichnungen über organisierte Ski-Rennen sind nicht vorhanden. Man kann aber annehmen, dass sich verschiedene Lehrer dem Skisport in den Schulen widmeten, so besonders Lehrer Avril, der vor dem Zweiten Weltkrieg mit seiner Schulklasse ausgedehnte Skiwanderungen durchführte. 

Vom 1948/1949 gegründeten Allgemeinen Sportverein (ASV) wurden durch die Initiative der Lehrer Anderl Kiefl, Kornel Klar, Ludwig Häusler und dem Holzwarenfabrikant Karl Gebauer wieder Skirennen gestartet, so ein Abfahrtslauf über den Hofer Hang, wo Anderl Kiefl die Bestzeit fuhr. Am Nachmittag dann noch ein strapaziöser Langlauf mit Start in Sankt Englmar über den Predigtstuhl zum Pröllergipfel und zurück zum Schulhaus. Im Schulsaal wurden dann die mehr oder weniger erschöpften Bergstürmer mit heißem Tee wieder auf die Beine gebracht. Sieger dieses Langlaufes wurden in ihren Klassen die Kraus-Buben von Markbuchen. Ein Höchstgeschwindigkeitsrennen startete man vom Kuhgstettenhang bei Rettenbach zur Plötzmühle. Preisschlittenrennen von Rettenbach zur Plötzmühle und vom Radschuhweg (Bayerweg) in Sankt Englmar waren Abwechslung im dörflichen Leben. 

Nach Auflösung des ASV blieb es auswärtigen Vereinen vorbehalten, in unserem Raum Skirennen zu veranstalten. 1955 und 1956 war es die Waldvereinsektion 9 Sankt Englmar, die wieder Abfahrtsrennen vom Predigtstuhl startete. Ende Februar 1958 wurde dann auf Anregung von Sepp Primbs erstmals ein Skirennen „Um die Silberplakette von Sankt Englmar" mit großem Erfolg gestartet. Am 25. Januar 1959 lud der Skisportler Peter (Pauli) Haimerl zu einer Versammlung ins Cafe „Waldfrieden" ein. Sinn der Zusammenkunft war es, dem bevorstehenden Skirennen durch Gründung eines Wintersportvereins einen Rückhalt und bessere technische Startmöglichkeiten zu geben. 

1. Vorstand wurde hierbei Hans Lees, Kassier Peter Haimerl, 2. Vorstand und verantwortlicher Geschäftsführer Sepp Primbs. Skisportwart wurde Jakob Karl, dem die Skisportler Hans Piermeier, Sepp Haimerl, Helmut Reiner und Friedl Schötz zur Seite gestellt wurden. Der junge Verein fand besondere Unterstützung durch Hans Pöllath, Hans Schuhbauer und Herrn Hackl. Große Starthilfe bekam der WSV durch die Heimatzeitung, die Berichte über ganz Niederbayern und die Oberpfalz verbreitete. Leutnant Fischer vom Standort Bogen erklärte sich hierbei bereit, für das bevorstehende Rennen einen Funktrupp einzusetzen. 19 Skisportler und -förderer ließen sich noch an diesem Abend als Mitglieder des WSV einschreiben. 

Die Gründung des WSV brachte einen weiteren technischen Aufbau der Rennen mit sich. Man nahm noch einen Torlauf hinzu und wertete in der Kombination. Die Wettkämpfe taufte man „Um die Silberski von Sankt Englmar" um.

Die „Silberskirennen" erhielten einen guten Namen im ganzen ostbayerischen Raum. Der WSV und die „Silberskirennen" leisteten einen großen Beitrag für Sankt Englmar als Wintersportort.


 

Traditionsveranstaltungen

  

Nostalgie-Skirennen








 
Bereits 1899 war es der Kooperator Hermann Plass, der als 26-jähriger durch das Regensburger Ordinariat nach Sankt Englmar versetzt und zum Schipionier auf den Bergen HIrschenstein, Pröller und Predigtstuhl wurde. Plass hatte den Schilauf in und um Sankt Englmar heimisch gemacht. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts herrschte auf den Hängen um den Ort reger Schibetrieb. 1902 war vor allem bei der Jugend die Begeisterung für dieses neue Wintervergnügen so groß, dass der damalige Bürgermeister und spätere Reichstagsabgeordnete Josef Echinger ein erstes mit attraktiven Preisen ausgelobtes Schirennen am damals baumlosen Predigtstuhl veranstaltete.                                                                                        Alle 3 Jahre am Fasching kehren wir zurück in diese Zeit - im Original-Outfit von 1900 rasen die Teilnehmer aus dem Ort und der Umgebung mit alten Holzski dem Ziel entgegen.  


 

 

 

 


Rauhnacht





Bereits zur Tradition geworden ist die Party zur „Englmarer Rauhnacht“, die alljährlich der Sankt Englmarer Wintersportverein (WSV) am 28. Dezember ausrichtet. Der Ruf ist mittlerweile legendär und vor allem weit über die Region hinaus gewachsen. So berichten seit einigen Jahren regelmäßig verschiedene Fernsehsender von diesem Spektakel. Beginn ist um 17.30 Uhr am Kirchplatz Sankt Englmar.

Die Rauhwuggerl und Hexen, die mystischen Gestalten aus der Sagenwelt des Bayerischen Waldes, wirken mit – tauchen zu späterer Stunde aus Nacht und Nebel auf - und treiben ihr Unwesen in der unheimlichen Rauhnacht. Die furchterregenden Gesellen im rauhen Pelzgewand, mit kunstvoll handgeschnitzten „schiachen Larvan“ (Masken) tanzen um ein großes Lagerfeuer, um die Geister der Rauhnacht zu bannen. Sie scheppern mit Kuhglocken, schnalzen mit Peitschen, trommeln und lärmen auf vielfältige Weise. Bluadiger Damerl, Lucia und Haberngoaß sind nur einige der vielköpfigen Schar der Protagonisten, die mit der Musik für eine einzigartige Stimmung sorgen. Neue Rauhnacht-Figuren werden eingeführt, der Bluadige Damerl haut mit dem Hammer und die Luzier geht mit der Sichel um…


 

Silberski (findet derzeit nicht statt)

 50 Jahre Silberski 2008: Der„Legenden-Stammtisch“ im Bistro Sonnenhügel in Sankt Englmar erzählt: 

Im Februar 1958 fand ein Skirennen „Um die Silberplakette von Sankt Englmar“ statt.

Auf Anregung von Sepp Primbs wurde dieses Rennen zum ersten mal ausgetragen.
Der Sieger dieses Rennen war Hans Piermeier aus Sankt Englmar.

Ab 1959 hieß dann das Rennen „Silberskirennen von Sankt Englmar“
Das „Silberskirennen“ etablierte sich im ganzen Bayerischen Wald und leistete sicher auch einen Beitrag für Sankt Englmar als Wintersportplatz.

In der 50 jährigen Geschichte gelang es bisher vier Läufern aus Sankt Englmar das Rennen für sich zu entscheiden. Es war im ersten Rennen 1958 Hans Piermeier, im Jahr 1960 Peter Haimerl, 1969 Heini Schötz und zum letzten mal trug sich mit Hans Schütz 1974 ein Sportler aus Sankt Englmar in die Siegerliste ein.

Im Jahre 1965 gewann Wiltrud Merkl den Silberskipokal. In der 50 jährigen Geschichte gelang es nur ihr die Tagesbestzeit als Frau zu markieren. Sieger oder Siegerin in diesem Rennen ist immer der Läufer oder die Läuferin mit der schnellsten Gesamtlaufzeit des Tages bzw. der Kombination.

Wiltrud Merkl war damals Mitglied der deutschen Skinationalmannschaft, in der zu dieser Zeit Barbi Henneberger und Heidi Biebl die herausragenden Läuferinnen waren.

Ein weiterer prominenter Teilnehmer war der Sieger von 1984, Edi Reichhart. Er war 1978 und 1980 Deutscher Meister im Riesenslalom und startete für den TSV Griesbach im Rottal.
Heute betreut er die Skinationalmannschaft aus Bulgarien und war am Wochenende mit seiner Mannschaft beim Hahnenkammrennen in Kitzbühel und konnte deshalb leider nicht kommen.

Ebenfalls in der Siegerliste zu finden sind der Bayerwaldmeister Hans Häusler (1970) aus Bayer. Eisenstein und der Deutsche Städtemeister Richard Böttcher (1989) vom SWC Regensburg. 

Einige Rennläufer konnten den Pokal zweimal gewinnen. Max Kandler vom SV Mietraching siegte 1963 und 1964. Der Bodenmaiser Xaver Weinberger schaffte den Sieg 1967 und 1968.
Walter Vinzenz aus Lam gewann 1980 und 1981 und Jürgen Pöschl siegte 1986 und 1987. Ebenfalls zweimal, aber nicht im darauffolgenden Jahr, trug sich der Lohberger Thomas Treml in die Siegerliste ein. 2006 fuhr Michael Hüttinger vom SC Neukirchen die schnellste Zeit. 2011 wurde Florian Egner vom Sc Oberried-Riedlberg und Susann Weber vom FC Chammünster, 2012 Florian Egner vom SC Oberried-Riedlberg und Eva Maria Lanzinger vom SC Langfurth und 2013 wiederum Florian Egner vom SC Oberried-Riedlberg und Lena Vogl von der SpVgg Lam Sieger des Silberskis.

Damit wiederholte Florian Egner seit 1958 das erste mal 3 Jahre hintereinander den Sieg im Silberskirennen. Mehrmals wurde der Sieg 2 mal wiederholt - 1963/1964 Max Kandler vom SV Mietraching, 1967/1968 Xaver Weinberger aus Bodenmais, 1980/1981 Walter Vinzenz aus Lam und 1986/1987 Jürgen Pöschl.

Zuletzt trugen sich 2015 Lukas Ranzinger vom SC Langfurth und Terreza Haberova vom SC Zwiesel in die Siegerliste ein.

Anfangs fand der Silberski als Abfahrtslauf an den Hängen des Predigtstuhls in Richtung Glashütt statt, später dann eine Kombination mit einem Torlauf (Slalom) und die letzen Jahre meist als DSV Punkterennen in Form eines Riesenslaloms am Pröller. Geblieben ist der Pokal. 

Im Jubiläumsjahr 2008 war das Rennen für Sonntag, den 20.01.08, am Pröller geplant. 
Leider musste es abgesagt werden, da die Pistenverhältnisse und die schlechte Wetterprognose eine ordnungsgemäße Durchführung nicht erlaubten.

Wiltrud Merkl (jetzt Roithmeier) war mit ihrem Mann aus Murnau angereist und hat extra eine Skifahrt verschoben, um an diesem Stammtisch teilnehmen zu können. Selbst-verständlich sind auch alle einheimischen Sieger gekommen.

Hannes Forster, damals Abteilungsleiter Ski im WSV Sankt Englmar, begrüßte zum Stammtisch neben den Siegern auch Bürgermeister Hans Fuchs und den Skigau Vorsitzenden Klaus Köppe, die beide kurze Grußworte sprachen. Klaus Köppe ehrte auch noch den Initiator der Rennen Sepp Primbs - auch im hohen Alter noch Teilnehmer an den Rennen - mit einem Glasgeschenk des Skigau Bayerwald. 

Nach dem gemeinsamen Abendessen bliebt noch genügend Zeit, sich die eine oder andere Anekdote aus der 50-jährigen Renngeschichte zu erzählen. Hier erfuhren die Zuhörer z.B., dass Wiltrud Merkl im Jahre 1965 im Auto von Ex-Rallye-Weltmeister Walter Röhrl (der natürlich auch selbst Teilnehmer war) zum Rennen nach Sankt Englmar kam und dass sie auch beide 1967 starteten. Bei diesem Rennen konnte Wiltrud Merkl den Torlauf (Slalom) für sich entscheiden. Die Urkunde von damals brachte sie mit zum Stammtisch.

Weiterhin war zu erfahren, dass mancher Rennläufer beim Abfahrtslauf versuchte, eine Abkürzung zu nehmen, was aber letztlich doch keinen Vorteil brachte.